4 Tage Woche Vor und Nachteile

4 Tage Woche: Die Vor- und Nachteile

Ein Thema war in der Arbeitswelt in den letzten Monaten immer wieder im Gespräch: die 4 Tage Woche. Immer mehr Arbeitnehmer, Verbände und Gewerkschaften fordern die Reduzierung der Arbeitszeit und den Umstieg auf eine kürzere Arbeitswoche. Experten erwarten aus dem Modell neben einer besseren Work-Life-Balance die Verbesserung der Gesundheit und Produktivität. Aber wie lässt sich eine 4 Tage Woche konkret umsetzen? Wie sehen die spezifischen Vor- und Nachteile aus? Wir geben einen Überblick.

Warum die 4 Tage Woche im Gespräch ist und wie sie umgesetzt werden kann

Die 5 Tage Woche ist für uns der Standard – es gibt sie jedoch flächendeckend noch nicht einmal sei 100 Jahren. Erst in den 1930er Jahren sind die meisten Unternehmen weltweit auf 5 Arbeitstage bei 35 bis 42 Stunden Arbeitszeit umgestiegen. Davor war nur der Sonntag frei. Fast 100 Jahre später ist von einer weiteren großen Veränderung die Rede: Immer mehr Unternehmen testen eine Vier Tage Woche. Inzwischen gibt es bereits mehrere Testprojekte, sowohl bei einzelnen Unternehmen als auch in ganzen Ländern.

In Großbritannien haben 2022 beispielsweise 60 Unternehmen das Modell getestet – mit Erfolg: Fast alle Unternehmen wollen vollständig auf die 4 Tage Woche umsteigen, da sie gesteigerte Motivation, Produktivität und Umsätze, dafür aber sinkende Krankheitstage, weniger Stress und eine geringere Fluktuation beobachten konnten. Getestet wurde das Modell in unterschiedlichen Branchen, beispielsweise im Bau und der IT, aber auch in der Gastronomie und Gesundheit. Testprojekte mit ähnlichen Ergebnissen gab es auch in Island und Spanien, sowie auch in Deutschland in einzelnen Unternehmen. Durchweg wurden die Erfahrungen als positiv bewertet.

Wie kann eine 4 Tage Woche jetzt aber konkret umgesetzt werden? Hierzu gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Gleiche Stundenzahl: Statt 5 Tagen werden nur 4 Tage gearbeitet, die Arbeitsstunden bleiben dabei jedoch gleich. Statt 8 Stunden arbeiten Mitarbeiter dann also 10 Stunden pro Tag bei einer 40 Stunden Woche. Das Gehalt bleibt bei diesem Modell gleich.
  • Geringere Stundenzahl: Die Stundenzahl wird ebenso wie die Arbeitstage verringert, beispielsweise auf 32 statt 40 Stunden. Dafür gibt es dann aber auch nur 80 % des bisherigen Gehalts.

Ein Modell, das sowohl die Stunden reduziert als auch für gleichbleibendes Gehalt sorgt, gibt es nur selten. Letztendlich werden die Konditionen für die Umstellung jedoch individuell mit dem Arbeitgeber verhandelt.

Außerdem: Eine Vier Tage Woche bedeutet nicht, dass Unternehmen nur an vier Tagen in der Woche öffnen können. Vielmehr können hier Schichtmodelle erarbeitet werden, sodass Mitarbeiter an unterschiedlichen Tagen frei haben und dennoch die regulären Öffnungszeiten gewährleistet werden können. So handhabt der Einzelhandel seit Jahren auch die Samstage.

4 Tage oder 5 Tage Woche? Vor- und Nachteile im Überblick

Bisher ist das Modell der 4 Tage Woche noch nicht voll ausgereift und befindet sich in den meisten Unternehmen maximal in der Testphase. Dabei zeigen sich Vorteile, aber auch einige Nachteile. Ein Überblick.

Die Vorteile der Vier Tage Woche

  • Höhere Motivation und bessere Gesundheit: Eine der häufigsten Erkenntnisse bei Testprojekten war die gesteigerte Motivation und Produktivität sowie die verbesserte Gesundheit der Mitarbeiter. Ein weiterer freier Tag in der Woche sorgt für weniger Stress, eine bessere Work-Life-Balance und damit für eine höhere Motivation an den Arbeitstagen. Die bestehende Arbeitszeit wird außerdem meist produktiver genutzt.
  • Employer Branding: Viele Arbeitnehmer fühlen sich inzwischen von der klassischen 5 Tage Woche überlastet und wünschen sich kürzere Arbeitszeiten. Viele sind dafür sogar bereit, auf einen Teil ihres Gehalts zu verzichten. Teilzeitstellen gibt es jedoch nur wenige. Arbeitgeber, die grundsätzlich eine 4 Tage Woche anbieten, punkten damit bei Bewerbern, die ursprünglich nach einer Teilzeitbeschäftigung gesucht haben. Außerdem zeigen sie so fortschrittliches Denken und Interesse am Wohl und den Wünschen von Arbeitnehmern.
  • Mehr Zeit für Termine, Familie und Freunde: In immer mehr Familien arbeiten heute beide Elternteile. So allen Verpflichtungen nachzukommen, aber auch noch genügend Zeit für die Familie und Freunde zu haben, wird immer unmöglicher. In einer 4 Tage Woche kann das Modell anders aussehen: Ein freier Tag kann für Termine und Verpflichtungen im Haushalt genutzt werden, einer zur Erholung mit der Familie und ein Tag für Unternehmungen mit Freunden. Das sorgt für eine bessere Balance im Leben.

Die Nachteile einer Vier Tage Woche

Der Umstieg auf eine Arbeitswoche mit 4 Tagen bringt jedoch nicht nur Vorteile, sondern auch einige Nachteile mit sich:

  • Tägliche Arbeitszeit verlängert sich: Wird die Arbeitszeit pro Woche nicht herabgesetzt, sehen Mitarbeiter mit einer klassischen 40 Stunden Woche sich auf einmal vor einem Arbeitstag mit 10 Stunden. Kann ein noch längerer Arbeitstag wirklich die Produktivität steigern? Zudem kann es hier schnell zu Schwierigkeiten in der Kinderbetreuung kommen – nur wenige Kitas und Schulen bieten eine so lange Betreuung an.
  • Hoher koordinativer Aufwand: Zwar können Unternehmen nach wie vor ihre geregelten Öffnungszeiten einhalten, wenn sie auf ein Schichtsystem setzen, ähnlich wie der Einzelhandel. Dazu sind jedoch viel Koordination und Organisation nötig – können wirklich alle nötigen Kompetenzen jeden Tag abgedeckt werden? Wann dürfen die Mitarbeiter ihren freien Tag nehmen? Es müssen umfassende Pläne erstellt werden.

Fazit: Der Sinn einer 4 Tage Woche ist stark von Branche und Job abhängig

Letztendlich wird in der Diskussion um die Vier Tage Woche schnell klar: Es gibt nicht die eine perfekte Lösung. Ob der Umstieg auf das Modell sinnvoll sein kann und wirklich Vorteile mit sich bringt, hängt stark von der Branche und dem konkreten Job ab. Häuft sich am Ende nur mehr Arbeit über den freien Tag an, weil nur wenige Unternehmen im neuen Modell arbeiten, sorgt das auf Dauer nur für mehr Stress. Einen positiven Ausblick geben jedoch die Testprojekte: Hier haben die meisten Arbeitgeber durchweg positive Erfahrungen gemacht – und sie haben schließlich die Praxis getestet, statt ausschließlich in der Theorie zu diskutieren. In jedem Fall dürfen wir gespannt sein, wie sich die Arbeitswelt in den kommenden Jahren verändern wird.